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1978: Die Gunst der Stunde

 

Die Saison 2019/20 ist für die SC-Profis die letzte im Schwarzwald-Stadion. Auch wir nehmen Abschied: Mit 18 Geschichten aus der Geschichte des Stadions. Heute: 1978: Die Gunst der Stunde.

 

„Was soll des? Ihr steiget doch sowieso net auf!“ So reagierte SC-Präsident Achim Stocker, als unser Spielführer Werner Blank vor der Saison 1977/78 über eine Aufstiegsprämie reden wollte. Wir glaubten ja selbst nicht, dass wir Meister werden könnten, geschweige denn in die Zweite Bundesliga aufsteigen. Mit etwa dem Offenburger FV oder dem FC Konstanz gab’s damals Vereine in der Ersten Amateurliga Südbaden, deren Spieler dank reicher Mäzene bis zu 5.000 Mark im Monat verdienten – bei uns völlig undenkbar.

 

So gut situierte Klubs strebten über Jahre hinweg den Aufstieg an, vergeblich. Aufzusteigen war schwer: Als südbadischer Meister musste man eine baden-württembergische Aufstiegsrunde und dann noch ein Entscheidungsspiel gegen den Sieger der bayrischen Aufstiegsrunde gewinnen. Wider Erwarten marschierten wir 77/78 dann aber durch die Saison und waren schon zwei oder drei Spieltage vor Schluss Meister. Bei Heimspielen waren die drei, vier Stehstufen zum Strandbad hin immer ordentlich gefüllt, 700 bis 1.000 Leute sorgten für ganz gute Stimmung.

 

Unser Trainer Manfred Brief hatte uns über Jahre zu einer Mannschaft geformt, die für die Zeit technisch guten und taktisch variablen Fußball spielte. Unsere größten Stärken waren die Homogenität und der Zusammenhalt. Der ganze Verein war wie eine Familie, und einer für den andern da. Noch heute sind Mitspieler von damals wie Klaus Steinwarz, Klaus Bury, Reinhard „Bimbo“ Binder, Werner Blank oder Clemens Smukalla echte Freunde. Als Überraschungsmeister trafen wir 1978 in der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga Süd dann auch auf die Ex-Zweitligisten SSV Ulm und SSV Reutlingen, die unter Profibedingungen trainierten. Wir waren also wieder klarer Underdog. Aber nach Siegen in Ulm und gegen Reutlingen wurde uns klar: Hoppla, wir können das ja wirklich packen! Zu Hause hatten wir nun bis zu 7.000 Zuschauer.

 

Wir waren selbstbewusst, Trainer Manfred Brief machte alles richtig, und der 20-jährige Wolfgang Schüler, mein Sturmpartner, war mit zwölf oder 13 Treffern allein in der Aufstiegsrunde ein echter Torgarant. Später war er lange Erstligaprofi, etwa beim Karlsruher SC und bei Borussia Dortmund. Ungeschlagen gewannen wir die Aufstiegsrunde. Aufgestiegen waren wir aber erst, als der 1. FC Nürnberg sich in der Relegation zum Aufstieg in die Erste Bundesliga gegen Rot-Weiß Essen durchsetzte. Somit wurde noch ein zweiter Platz in der Zweiten Bundesliga Süd frei und unser Entscheidungsspiel gegen den bayrischen MTV Ingolstadt war bedeutungslos. Als damit unser Aufstieg feststand, haben wir SCler uns alle gegenseitig angerufen, Spieler, Vorstand, Stocker. Abends fand noch die Jahreshauptversammlung in der Stadionwirtschaft „Dreisamblick“ statt. Dort haben wir unseren Sensationserfolg ausgiebig gefeiert. Auch einige unserer Stammzuschauer waren dabei.

 

Wir ahnten natürlich nicht ansatzweise, für welch langfristig positive Entwicklung unser Aufstieg ein erstes Fundament gelegt hatte. Wer weiß: Hätten wir 77/78 nicht diesen Lauf erwischt und die Gunst der Stunde genutzt, vielleicht wäre der Sport-Club nie im Profifußball gelandet. Man muss wissen: Direkt nach unserer Aufstiegssaison wurde die Amateuroberliga Baden-Württemberg als neue dritthöchste Liga eingeführt. Wir sind somit quasi auf den letzten Drücker aufgestiegen, bevor das infolge dieser neuen Liga mit noch höherer Leistungsdichte noch mal eine Nummer schwieriger geworden wäre. Jeder Spieler bekam für den Aufstieg übrigens 1.000 Mark. Diese Prämie hatte Werner Blank bei Stocker im Voraus dann doch noch ausgehandelt gehabt. Und obwohl Stocker schon Magenschmerzen hatte, wie der SC den Zweitligaetat zusammenbekommen sollte, gab’s eine Gran Canaria-Reise für uns nun noch dazu.

 

Aufgezeichnet von Timo Tabery