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"Mein Wille hat mir geholfen"

 

Jeder Klub hat seine Kultfiguren. Vor dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg kommt eine dieser Legenden des kommenden SC-Gegners zu Wort: Frank Greiner 

 

Herr Greiner, Sie kommen aus der Nähe von Coburg. Dort im Fränkischen wird man als Kind wohl zwangsläufig zum „Glubberer“?


Frank Greiner: Eigentlich schon, aber ich war Schalke-Fan. Voll und ganz. Klaus Fischer war mein Idol.

 

Sie haben von Kleinkindesbeinen an mit dem Papa im Garten gekickt.

 

Genau. Damals gab es ja noch keine E- oder F-Jugenden. Ab der C-Jugend bin ich in den Verein, vorher habe ich zuhause gekickt.

 

Paul Breitner hat einmal erzählt, dass er in seiner Jugend viel trainiert hat, weil er unbedingt Profi werden wollte. Es habe viele Spieler mit mehr Talent gegeben, aber er war halt einfach ehrgeiziger.

 

So war das bei mir auch. Ich habe die Bundesliga im Radio gehört und dann in der Sportschau gesehen und wollte das unbedingt auch. Mein Bruder war viel talentierter als ich, aber er hatte nicht meinen Ehrgeiz. Mein Wille hat mir viel geholfen.

 

Dann wurde der Club auf Sie aufmerksam ...

 

Die haben mich in den Auswahlmannschaften gesehen und zum Probetraining nach Nürnberg geholt. Ich bekam einen Amateurvertrag, trainierte bei den Profis mit und habe dann 1987 gegen 1. FC Köln mein erstes Bundesligaspiel bestritten.

 

Mit Erfolg?

 

Ich habe zwar kein Tor gemacht, aber ich habe gegen Jürgen Kohler, der damals für Köln spielte, richtig gut ausgesehen. Am nächsten Tag rief mich Christoph Daum an und fragte, ob ich zu ihnen nach Köln kommen wolle. Und weil die Leute beim Club keine Anstalten machten, mich zu halten, bin ich zum FC.

 

Wo Sie Stammspieler wurden?

 

Aber erst im zweiten Jahr. Anfangs saß ich nur auf der Bank und erst als ein Verteidiger ausfiel, sollte ich, als gelernter Stürmer, dann in der Defensive Thomas Häßler den Rücken frei halten. Und das wurde dann meine Position, und ich war im Team.

 

Das war Ende der Achtzigerjahre, als Köln noch so eine Art Herausforderer des FC Bayern war?

 

Ja, wir hatten eine gute Mannschaft, aber am Ende hat es dann doch nie ganz gereicht.

 

Sie verließen den FC und gingen nach Lautern. Dort erlebten Sie in knapp drei Jahren alle Höhen und Tiefen des Fußballs?

 

Das stimmt. Abstieg, Pokalsieg, Wiederaufstieg und Deutscher Meister.

 

In einer Woche Himmel und Hölle?

 

Auch heute noch kaum vorstellbar. Du bist die klar bessere Mannschaft, verlierst gegen Leverkusen, steigst ab und denkst: Die Welt geht unter. Und eine Woche später gewinnst du in Berlin den Pokal. Diese Bilder bleiben ein Leben lang.

 

Sie sind zum VfL Wolfsburg gewechselt ...

 

Otto Rehhagel war ja Trainer damals beim FCK, ein super Coach, der immer ehrlich zu seinen Spielern war. Er sagte mir, dass er zuhause eher Ratinho auf meiner Position bringen würde, und mich dafür bei Auswärtsspielen. Da kam das Angebot vom VfL und mir war klar, dass ich in Wolfsburg öfters spielen würde.

 

Der VfL war kurz zuvor in die Bundesliga aufgestiegen und galt eine Zeit lang als „Graue Maus“.

 

Ich habe den Verein immer anders erlebt und habe dieses „Image“ nie verstanden. Ich habe mich in Wolfsburg immer wohl gefühlt.

 

Tatsächlich sprechen ehemalige VfL-Spieler wie Roy Präger oder Detlev Dammeier immer von einem unheimlich tollen Zusammenhalt, den das Team damals hatte.

 

Zurecht! Wir hatten damals ein Team ohne große Stars, das einen einwandfreien Charakter besaß. Es war ja nicht so, dass VW Unsummen in die Mannschaft steckte. Wir haben mit viel Zusammenhalt und Willen unseren Fußball gespielt.

 

Und gar nicht mal schlecht.

 

Tatsächlich hatte niemand damit gerechnet, dass wir es 1999 bis auf die internationalen Plätze schaffen. Und um ein Haar wären wir da sogar auf einem Champions-League-Platz gelandet.

 

Sie selbst spielten nie für die Galerie, wurden aber immer von den Experten und den Trainern für Ihre Spielweise gelobt.

 

Ich habe halt immer alles in mein Spiel eingebracht, ich habe mit Freude und mit Herz meinen Job ausgeübt. Ich war ehrlich. Auch die Fans mochten das.

 

 

Interview: Carmelo Policicchio