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Der Sport-Club trauert um Wolfgang Keller

 

Der SC Freiburg trauert um Wolfgang Keller. Der langjährige Jugendleiter und Jugendtrainer des Sport-Club verstarb im Alter von 76 Jahren. Wolfgang Keller kam 1986 in den Verein und leitete die Nachwuchsabteilung bis 2002. Danach war er viele Jahre als Scout für die Freiburger Fußballschule tätig. Weggefährten erinnern sich.

 

 

Joachim Löw (Bundestrainer)

 

Alles, was ich in jungen Jahren über Fußball gelernt habe, habe ich von Wolfgang Keller. Er hatte sich mit aller Energie und dem größtmöglichen Enthusiasmus dem Fußball verschrieben und wirkte für uns Jugendliche aus Schönau wie ein Ersatzvater. Er hat fast täglich mit uns trainiert, im Winter hat er dafür eine Ecke des Hartplatzes freigeschaufelt. Wolfgang Becker, Jörg Steinebrunner, Hansi Schulzke, Peter Baum, mein Bruder Markus oder ich - es ist beinahe unglaublich, wie viele Spieler aus diesem kleinen Ort später Fußballprofis geworden sind. Ich habe Wolfgang Keller vergangenes Jahr noch getroffen. Er konnte sich an jedes Ergebnis mit der Schönauer Jugend, den Auswahlmannschaften oder dem Sport-Club erinnern. Er war einfach fußballverrückt im positivsten Sinne. Wolfgang hat mich und ganz viele junge Menschen geprägt.

 

 

Christian Streich (Trainer SC Freiburg)

 

Als Zwölfjähriger wurde ich in die Oberrheinauswahl berufen, da war Wolfgang Keller Trainer. Viel später sollten wir dann beim Sport-Club zusammen arbeiten. Wolfgang Keller war A-Jugendtrainer, als ich 1995 beim SC die C-Jugend übernommen habe. Er hat damals alle Funktionen auf sich vereint, für die es heute ein halbes Dutzend Mitarbeiter gibt: Trainer, Co-Trainer, Betreuer, Physio - sogar den Busführerschein hat er gemacht und seine Mannschaften zu den Spielen gefahren. Es war wohl günstiger so. Wolfgang Keller hatte einen besonderen Blick für Spieler und einen besonderen Blick für Trainer. Er brauchte dafür keine großen Erklärungen. Mit Wolfgang Keller ist eine große Institution im südbadischen Fußball gestorben.

 

 

German Kramer (ehemaliger Jugendleiter Freiburger FC)

 

Wolfgang Keller war Jugendtrainer in Schönau und veranstaltete dort ein Hallenturnier. Der Freiburger FC war der erste größere Verein, der dort zu Gast war. Wir schickten unsere C-Jugend, die seit zwei Jahren kein Spiel mehr verloren hatte - bis zu diesem Turnier. In der Schönauer Mannschaft spielten Hans-Peter Schulzke, der später beim Sport-Club und bei Eintracht Braunschweig Profi war, und Joachim Löw. Schulzke und Löw haben immer über Bande gespielt und das Spiel 12:0 gewonnen. Die haben uns ausgetrickst, das war sensationell. Später holten wir Wolfgang Keller zum FFC. Der damalige Jugendleiter hat es allerdings nicht ertragen, dass da einer besser ist als er und nach 14 Tagen war Keller wieder weg. Achim Stocker hat das natürlich mitbekommen, ist nach Schönau gefahren und hat Wolfgang Keller zum SC geholt. Ich kann sagen, dass es damals wohl keinen Jugendtrainer mit einem besseren Netzwerk gab. Wolfgang Keller war in der südbadischen Fußballszene und darüber hinaus eine große Nummer. Ich bin froh, dass ich ihn über Jahrzehnte und über Vereinsgrenzen hinweg als meinen Freund bezeichnen durfte.

 

 

Hans-Peter Schulzke (ehem. Profi Eintracht Braunschweig und SC Freiburg)

 

Wenn Wolfgang Keller in Schönau auf den Sportplatz gekommen ist, sind wir Jugendliche von allen Seiten hergelaufen und haben ihn umringt. Wir wollten einfach alles aufsaugen. Er war mein Ziehvater - das kann man nicht anders sagen. Wir hatten zuhause kein Auto, also hat mich Wolfgang Keller zu den Spielen der Auswahlmannschaften gefahren. Über die südbadische Auswahl bin ich als 18-Jähriger auch an ein Probetraining bei Eintracht Braunschweig unter Trainer Branko Zebec gekommen. Wolfgang Keller hat mich nach Braunschweig gefahren, das war 1976 eine Weltreise. So bin ich Profi geworden. Vom Kreisligisten FC Schönau in die Bundesliga - heute undenkbar.

 

 

Nicolas Höfler (Profi SC Freiburg)

 

Wolfgang Keller war der Erste, mit dem ich vom SC Freiburg Kontakt hatte. Er war damals Scout in der Freiburger Fußballschule und hat mich bei Spielen der südbadischen Jugendauswahl beobachtet. Ich muss etwa 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein, als Herr Keller angerufen und gefragt hat, ob ich es mir vorstellen könne, beim SC zu spielen? Ich habe damals geantwortet, dass ich erstmal meine Eltern fragen müsse. So bin ich zum Sport-Club gekommen. Ich habe mich später einmal mit Christian Streich unterhalten. Der Trainer sagte sinngemäß, wenn Wolfgang Keller ihm einen Spieler empfehle, dann wisse er, dass das ein Guter sei. Das beziehe ich jetzt nicht direkt auf mich, aber es ist wahrscheinlich, dass meine Karriere anders verlaufen wäre, wenn mich Wolfgang Keller damals nicht gescoutet hätte.

 

 

aufgezeichnet von Sascha Glunk